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Donnerstag, 25. April 2013

Hattie-Studie: Frontalunterricht oft besser als reformpädagogische Lernformen

... So ergeben sich beispielsweise für die „Direkte Instruktion“, häufig von akademischen und schulischen Ausbildern als „Frontalunterricht“ abgehlehnt, bei einer gut geplanten, komplex angelegten und sachgerecht vernetzten Verwendung nach allen empirischen Untersuchungen sehr positive Wirkungswerte.
Andererseits zeigen die  Maßnahmen eines „Offenen Unterrichts“ sowie andere reformpädagogisch angelegte Lernformen oft nur vergleichsweise schwache Wirkungen auf die kognitiven Leistungen der Lernenden ...
Das ist einer der zentralen Erkenntnisse  der Hattie-Studie, der größten jemals über Schule und Schulsysteme gemachten Studie,  eine Metastudie, die mehr als 150.000 Einzelstudien mit 250 Millionen Schülern ausgewertet hat.
Schulformen erwiesen sich als genauso unwichtig wie es Klassengrößen waren.
Dreh- und Angelpunkt guten Unterrichtes sei der Lehrer.

Hattie weiter: Für Lehrerinnen und Lehrer ergibt  bei der Gestaltung des Unterrichts, wenn sie nachhaltige Wirkungen auf die Lernenden haben wollen, nicht nur eine begleitende, sondern eine aktiv gestaltende Aufgabe. Entscheidend ist dabei weniger die jeweilige Lehrerpersönlichkeit, sondern vielmehr das konkrete Lehrerhandeln und dessen Wirkung auf die Lernenden.
Im Zentrum der Schlussfolgerungen stehen folgende Themenkomplexe:
  • Unterrichtsplanung in kollegialer Kooperation aus der Perspektive der Lernenden
  • Diagnose, Evaluation, Feedback
  • komplexe Verstehensleistungen durch die Verwendung wirksamer Lern- und Lehrstrategien
  • Qualität der Unterrichtsformen und des unterrichtlichen Handelns der Lehrpersonen
Die Regulierungen in Deutschland, die alle auf Strukturreform setzen, sind deshalb  nicht nur für die Katz sondern schlicht kontraproduktiv. Stattdessen müsste die Ausbildung der Leherer im Vordergrund stehen und müsste grundlegend reformiert werden. 
Und eine Prüfung sollte darin integriert sein, die die Eignung des Lehrers für seinen Beruf feststellen soll.
Und plötzlich erinnern wir uns alle wieder daran, dass vor allem unfähige Lehrer das eigentliche Problem unserer Schulzeit waren, und dass es die fähigen Lehrer waren, die mit ihrem spannenden Unterricht die Grundlage unseres Wissens gelegt haben.

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Mittwoch, 24. April 2013

Unbedingt einmal ansehen: "Monsanto, mit Gift und Genen"


"Monsanto, mit Gift und Genen" ist ein Film aus dem Jahr 2008, der über die Ausbreitung von genmanipuliertem Saatgut und die damit einhergehende Beherrschung des Nahrungsmittelmarktes durch Monsanto berichtet, was bis heute seine Aktualität leider nicht verloren hat, ganz im Gegenteil. Es geht nämlich längst auch um unser Trinkwasser!Es ist inzwischen vom Kampf der Landwirte um ihre Unabhängigkeit längst zu einem Kampf um die Kontrolle des Lebensmittelmarktes durch einzelne profitorientierte Privatunternehmen geworden, der jeden Einzelnen von uns angeht.
Hier geht es zum Video
Wer die Kernaussagen lieber lesen will, kann dies im Wikipedia tun
Wenn Euch auch mulmig zumute wird, ob dieser merkwürdigen und gefährlichen Entwicklungen, dann tut etwas dagegen!
Zum Beispiel eine Petition im Bundestag einreichen. Dort muss sich dann jemand um Euer Anliegen kümmern. Und wenn mehrere Petitionen zum selben Thema eintreffen, erlangen sie mehr Gewicht.
Im Zeitalter des Internets und der Smartphones geht das in wenigen Schritten. Startpunkt hier! 
Wir können die Welt bewegen. Wir müssen nur wollen.

Montag, 22. April 2013

Frau Holle - eine Schamanin

  Kikeriki, die Goldmarie ist wieder hie!
Wer kennt nicht wenigstens noch diesen einen Spruch aus "Frau Holle"? Dass dieses Märchen viel mit Schamanismus zu tun hat, wissen wohl die Wenigsten. Was auch daran liegen könnte, dass sich die meisten Menschen eine falsche Vorstellung von Schamanismus machen. Schnell kommen da Assoziationen hoch wie "Woodoo", Zauberei, Quacksalberei. Gut möglich, dass der Schamanismus daran selbst die Schuld trägt. 
Der moderne Schamanismus, zumindest, der "privatisierte"! Denn überall dort, wo Privatpersonen agieren, wird es über kurz oder lang mehr um Profit gehen als um die Sache selbst. Und wer seinen Profit erhöhen will, muss dazu die Werbetrommel rühren, und immer dann, wenn die Sache selbst keinen Nutzen liefert,  muss Zauberei ihn ersetzen - oder muss Angst den Umsatz der wirkungslosen Sache schüren.
Religionen und Sekten - Tempel - waren und sind in vielen Ländern noch heute solche Profitunternehmen.
Ganz anders der ursprüngliche Schamanismus. Der Schamane war der "öffentlich bestellte" Rat seines Dorfes, der Hüter der Weisheit. Der Hüter des Feuers. Ein Mann, oder eine Frau war er - nicht selten aber auch ein Zwitterwesen -, der, die oder das, weil er, sie oder es mehr vom Leben wusste als andere, diese anderen bei ihrer "Menschwerdung" begleitete.
Initiationen nennt man diese Punkte, an denen der Mensch in seiner Entwicklung durch eine neue Pforte tritt: Kindheit, Jugend, Erwachsensein, Alter, Tod, Geburt. Der Schamane ist der Hohepriester dieser Initiations-Rituale. Und er hilft die Fragen zu beantworten, die alle Menschen aller Kulturkreise seit möglicherweise 30.000 Jahren schon stellen: Wer bin ich? Was ist der Sinn des Lebens? Wo führt es mich hin?
Wenn auch diese Fragen immer ohne Antwort bleiben müssen, wird eine ungestellte Frage dabei beantwortet: Wie gehe ich den rechten Weg?
Zurück zu Frau Holle. Hier findet das ungeliebte Stiefkind seinen rechten Weg - durch mehrere Initiationen in einer Anderswelt - und kehrt als Goldmarie von ihren "Lehr-und Wanderjahren" zurück. 
Dass uns bei der Suche nach dem rechten Weg immer die freie Wahl bleibt, erzählt dabei die Geschichte der Pechmarie.

Sonntag, 21. April 2013

Eines steht jetzt wissenschaftlich fest: nach uns die Sintflut

  Dass die Polkappen abschmelzen - und zwar komplett, ist sicher! Die Frage ist nur, wie lange dieser Vorgang dauert? Am Ende wird der Meeresspiegel 73 Meter höher sein als heute, und nichts mehr wird so sein, wie es heute ist. In schon 200 Jahren oder erst in 500, das ist die einzige noch offene Frage.
In diesem Jahrhundert dürfen wir fest mit mindestens 30 Zentimetern Höherstand rechnen. Vielleicht wird es aber auch schon ein Meter sein. 
Betrifft nur irgendwelche Atolls und weitere bedauernswerte Südseeinseln mitsamt ihren Insulanern? Weit gefehlt. Alle Küstenstädte würde das in den Phasen von Springfluten schon ins Verderben treiben. Manhattan, Miami Vice,  St. Louis  .... Ohne zusätzliche Maßnahmen würden weite Teile der Niederlande da schon absaufen. Venedig genauso. 
Wenige Meter später - deutlich unter zehn - trifft es auch London, Paris, ja selbst Berlin. Bangladesch!  
Damit geht der Menschheit aber nicht nur Siedlungsraum flöten. Denn gerade in diesen Niederungen haben Flüsse die fruchtbarsten Böden hinterlassen. Große Teile der wichtigsten Anbaugebiete gehen verloren, Hungersnöte vorprogrammiert. Und militärische Auseinandersetzungen um die anderen Gebiete werden beginnen.
Florida: unter Wasser. Sämtliche Küstenstädte am Mittelmeer: Rom, Barcelona, Florenz ... Weite Teile Norddeutschlands, die Rheinebene: unter Wasser. Süßwasser wird dabei zu Brackwasser, das für die Trinkwasserversorgung dann wohl verloren ist.
Für die Mittelmeeranrainer gäbe es sogar eine Sonderlösung: einen Damm, der die Meerenge von Gibraltar schließen würde. Für etwa 300 Milliarden Euro wäre der zu haben. Nur, ob die Zeit noch reicht, um dieses größte jemals von Menschen errichtete Bauwerk rechtzeitig fertigzustellen, führt zur Anfangsfrage zurück. 200 Jahre würden dazu nicht ausreichen!
Und eines wird immer klarer, wobei ich als Schamanin mit diesem Spruch weniger anfangen kann als die Christen um mich herum: Nach uns die Sintflut. 
Wie wahr.

Donnerstag, 18. April 2013

Meine E-Books kostenlos

Heute gibt es meine E-Books kostenlos bei Amazon. Einfach über meinen Blog beziehen. Die entsprechenden Links sind in der rechten Seitenleiste zu finden.
Achtung!: Die beiden oberen Links (mit dem beigen und grünen Cover) führen zu den nicht kostenlosen "Print-Ausgaben" meiner Munin-Reihe. Die kostenlosen E-Books sind weiter unten zu finden. Viel Spaß beim Lesen. Freue mich über jede Rezension, auch wenn sie nicht so gut ausfallen sollte.

Montag, 15. April 2013

Warum Stummeläffchen weniger furzen

Von Sansibar-Stummeläffchen lernen, heißt siegen lernen. Nicht nur, weil diese Meerkatzen-Verwandschaft sich rein vegetarisch ernährt. Auch das wäre schon aller Ehren wert. Aber sie haben etwas gegen jene Misslichkeiten gefunden, die mit dieser gesunden Ernährungsweise einhergehen. Und wer leise durch den Dschungel streicht, hört schon von Weitem, was Vegetarismus in freier Wildbahn so gefährlich macht: Blähungen. Nämlich dann, wenn sie geräuschvoll abgehen - ständig. Und Begehrlichkeiten bei ihren "räuberischen Mitgeschöpfen" auslösen. Eine Bande furzender Affen.
Doch seit der Mensch in das Leben der Stummeläffchen getreten ist, geht es deutlich leiser zu im Dschungel, denn diese haben schnell erkannt, dass die Holzkohle in den verlassenen Feuerstellen ihrer Mitbewohner ihren Blähungen Herr werden kann. Wenn man sie frisst.
Und so beweist sich einmal mehr die Erhabenheit des auf die Kraftquellen der Natur gerichteten Verstandes - dieser Affen.Während sie sich heilen, lässt der Mensch die Kohle achtlos liegen.

Donnerstag, 11. April 2013

Gegen die eigene Ohnmacht: In kleinen Kreisen die ganze Welt retten

  Manchmal könnte man verzweifeln an den Problemen dieser Welt. Kriege dort, Hungersnöte da, Erdbeben dort ... und das Gefühl zu klein und unbedeutend zu sein, um dagegen etwas ausrichten zu können. 
Vielleicht ist es ja aber auch nur die Perspektive, von der aus wir die Welt betrachten, beziehungsweise aus der sie uns näher gebracht wird. Speziell von den Medien. Und es bricht über uns herein - und lähmt uns.
Was mich an den Tag erinnert, an dem ich, das Kind aus dem Dschungel, in der Sierra Nevada zum ersten Mal auf Skiern gestanden bin. Mark hat mich einen steilen Hang hinter unserer Berghütte hinaufgejagt. Da bin ich dann gestanden, den starren Blick auf die Hütte gerichtet, die weit unten und doch so bedrohlich nah vor mir gelegen ist. Ein großes und viel zu hartes Hindernis., das meine Skier magisch anzuziehen schien.
"Fang mit einem Pflug an, und dann mach den nächsten in die andere Richtung." Das war Marks Vorschlag. Ich stand aber weiterhin nur da und deutete unsicher auf die Hütte. 
"Aber ...". Mehr brachte ich nicht heraus. 
"Die Hütte hat dich nicht zu interessieren. Konzentriere dich immer nur auf die drei Meter vor dir!"
Der Rest war ein Kinderspiel. Nun ja, fast ein Kinderspiel.
Vielleicht sollten wir auf diese Weise auch "die Welt retten". Immer genau die nächsten drei Meter im Blick. Und in diesem überschaubaren Radius die Probleme erkennen und lösen helfen. Mit Menschen zusammen, deren Radien sich mit dem eigenen überlappen. 
Und schnell werden wir Glieder einer Kette, einer " Lichterkette", die am Ende Hoffnung ins Dunkel bringt, bis in den letzten Winkel der Welt.

Montag, 1. April 2013

Saeta-Sängerinnen in Sevilla: Karfreitags-Umzug mit Gänsehaut pur

Wer jetzt in Sevilla unterwegs war, zur Semana Santa und an einem der "Karfreitags-Umzüge teilgenommen hat, hat sie wieder gehört. Die Saeta-Sängerinnen auf den Balkonen der Stadt. Eingebettet in ein Karfreitags-Klangmonster, das die engen Gassen und Plätze mit getragenen Kirchenliedern, wie wir sie hier von Fronleichnam-Prozessionen noch kennen, genauso erfüllt, wie mit schriller Marschmusik mit fast karnevalistischem Einschlag. Und dazwischen immer wieder die dumpfen Trommeln, die die erschöpften Träger unter den zentnerschweren Christus- und Marienfiguren weitertreiben..
Und dann sie: Wie ein "Pfeil" (saeta) steigt ihr Gesang, ihr Bittgebet, auf  in den Himmel, während alles andere in den Gassen schweigt. und stillsteht - wie die Zeit.
Und mit dem ersten Ton ihrer Stimme kommt etwas in die Welt, was über uns hinausreicht.
Manche nennen es Gott.




Ich liebe Flamenco, ich liebe Rilke, ich liebe seine "spanische Tänzerin"

Ich liebe Flamenco. Denn es ist die Musik der Andalusier, und nirgends habe ich mein Leben mehr genossen als dort. Speziell die Bulería, die keiner meiner Freunde besser vortragen kann als Sánchez, der Verwalter unserer Hazienda. Cante jondo, tiefer Gesang, den Flamenco-Enthusiasten so lieben und Menschen, die keine Fans dieser Musik sind, schon nach wenigen Minuten auf den Geist geht - weil er ihnen aufs Gemüt schlägt.
 
Denn kein Gesang transportiert den Schmerz, die Wut und die Enttäuschung besser. Vielleicht noch der Fado der Portugiesen. Dieser ist aber insgesamt gefälliger, weicher und melancholischer, was wohl gerade deshalb der deutschen Seele mehr liegt als der Flamenco, der herausschreit, ja geradezu herauskotzt, was falsch ist an dieser Welt und dem Leben in ihr.
 
Der Sänger und sein Cante jondo ist - wie in einer Rockgruppe auch - die Hauptperson. Die Leute, die in die Hände schlagen, quasi das Schlagzeug der Gruppe, ja selbst die Gitarristen, die meistVirtuosen sind auf ihrem Instrument, sind da nur Beiwerk, der Klangkörper der Gruppe. Die unangefochtene Nummer Zwei aber - und das unterscheidet Flamenco von Rock und Pop, sind die Tänzer, die in der Rockmusik völlig verpönt und im Pop zu Background-Hüpfdohlen degradiert sind.
 
Im Flamenco aber haben sie eine tragende Rolle, und ihr Körper drückt genau das aus, was die Stimme des Sängers uns gerade mitgeteilt hat: Trauer, Wut und Hass. Aber dazu kommt der Stolz, der sich in jeder Pose ausdrückt.
`Niemand kriegt mich klein. Eher zertrete ich im Staub, was mir das Leben schwer macht.´
 
Neben dem Flamenco liebe ich Rilke. Und offensichtlich hat dieser wunderbare Poet auch den Flamenco geliebt, zumindest aber Flamenco-Tänzerinnen:
 
Die spanische Tänzerin
Wie in der Hand ein Schwefelzündholz, weiß,
eh es zur Flamme kommt, nach allen Seiten
zuckende Zungen streckt -: beginnt im Kreis
naher Beschauer hastig, hell und heiß
ihr runder Tanz sich zuckend auszubreiten
Und plötzlich ist er Flamme, ganz und gar.
Mit einem Blick entzündet sie ihr Haar
und dreht auf einmal mit gewagter Kunst
ihr ganzes Kleid in diese Feuersbrunst,
aus welcher sich, wie Schlangen die erschrecken,
die nackten Arme wach und klappernd strecken.
Und dann: als würde ihr das Feuer knapp,
nimmt sie es ganz zusamm und wirft es ab
sehr herrisch, mit hochmütiger Gebärde
und schaut: da liegt es rasend auf der Erde
und flammt noch immer und ergiebt sich nicht —
Doch sieghaft, sicher und mit einem süßen
grüßenden Lächeln hebt sie ihr Gesicht
und stampft es aus mit kleinen Füßen.

Rainer Maria Rilke, 1875-1926
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