Schamanismus ist - so habe ich es in meinem letzten Post geschrieben - womöglich ein zu großes Wort, um auch von naturwissenschaftlich gebildeten Menschen ernst genommen werden zu können. Mehr noch: bedauerlicherweise verstellt der Umstand, dass der Schamanismus heutzutage von Esoterik-Kreisen vereinnahmt wurde, ihren Blick auf die so offensichtliche Tatsache, dass der Schamanismus der Urahn jeglicher Wissenschaft ist.
Im Bereich der heilerischen Tätigkeit wird das wohl niemand ernsthaft in Frage stellen. Der erste, der sich an dieses komplizierte Feld je gewagt hat, war der Schamane. Aber genauso wenig wie der einzelne Wissenschaftler fertig und vollkommen vom Himmel gefallen ist - mit all seinem Wissen und seinen Fähigkeiten -, so wenig gab es auch den "universellen" Schamanen, den allwissenden, alle anderen überragenden Geist. Nein. Der Schamane war - und ist es dort noch heute -, wo Menschen isoliert von der "Zivilisation" leben, der Träger des kollektiven Wissens einer archaischen Gesellschaft ohne schriftliche Aufzeichnungen. Quasi eine lebende Bibliothek, deren Inhalt - vielleicht nur einmal im Leben des Schamanen - "kopiert" wurde und wird, um dann in seinem Schüler weiterzuleben.
Der Schamane war am Anfang bestimmt der Hüter des Feuers, war d e r Jäger, der die besten Jagdgründe in der Umgebung des Dorfes kannte, weil sein Dorf ihn zum langfristigen kollektiven Gedächtnis auserwählt hat. War auch der auserwählte erste Braumeister, der erste Käser.
Bis dann die kulturellen Leistungen so vielfältig wurden, bis Arbeitsteilung notwendig und das ein oder andere schamanische Wissen "outgesourct" wurde an andere Stammesmitglieder, die dann diesen Teil einst schamanischen Wissens an ihre Nachkommen oder ihre Schüler weitergegeben haben.
Die großen Wissensfelder aber blieben beim Schamanen und fanden über einen geradlinigen Weg über Bettelmönche, Klosterbrüder, Absolventen von Ingenieursschulen schließlich Eingang in die Universitäten. Die "kleinen" Wissensfelder dagegen landeten irgendwann in den Zünften und schließlich in der Industrie.
Der Schamane war damals das, was heute das Professorenkollegium einer Universität ist. Und Schamanismus ist in unseren Tagen das vernetzte Wissen aller Universitäten dieses Planeten.
Also ziemlich weltlich das Ganze und gar nicht esoterisch!
Und trotzdem so überirdisch groß und erhaben.
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