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Freitag, 29. März 2013

Leseprobe aus "Munin - die Eulenträgerin"

Heute, kurz vor Ostern, will ich doch auch einmal eine Leseprobe meines Romans "Munin - die Eulenträgerin" posten.
Der Roman existiert zur Zeit in zwei Bänden. Drei weitere werden folgen. Gleichzeitig habe ich diese beiden gedruckten Bände in vier Teilen als E-Books veröffentlicht. Für alle die, die bei der Auswahl ihrer Lektüre nur ein minimales Risiko eingehen wollen, empfehle ich, erst einmal nur das erste E-Books für 99 Cent zu erwerben.Schnell werden Sie wissen, ob Ihnen gefällt, was und wie ich schreibe.


Leseprobe:



Am nächsten Morgen wachte ich auf – in meinem Bett, völlig nackt. Das Bettlaken war braun von Sand, und ich wunderte mich, denn ich konnte mir zunächst keinen Reim darauf machen. Und wollte das auch gar nicht, denn ich war voller Energie. Ich musste geschlafen haben wie ein Stein, wie seit Wochen nicht mehr. Mit einer Siegessicherheit sah ich in den Spiegel, wie schon lange nicht mehr – und sah diese wunderschöne Frau vor mir, und es erschreckte mich nicht. Du bist etwas ganz Besonderes. Ich musterte neugierig dieses Gesicht und spürte zum ersten Mal, dass es gut war, dass dies mein Gesicht war.
Mit diesem neuen Selbstbewusstsein ging ich in die Facharzt-Prüfung, lächelte meinen Tutor das erste Mal an, dass er überrascht darüber ganz verlegen wurde, nahm meinen Prüfungsbogen lächelnd von ihm entgegen, und mein Lächeln wurde zum Dauergrinsen, als Frage für Frage sich als läppisch herausstellte, als mein Wissen, von dem ich glaubte, es würde niemals genügen, alle Fragen mit Antworten umzingelte, bis sie sich mir ergaben, gab mit dem Rest dieses Grinsens die Blätter ab, lange vor der Zweiten, die heute maximal die Zweitbeste sein würde, das wusste ich und ging.
Draußen zog ich meine Schnürstöckel aus und tanzte mein rotes Kleid die breite Steintreppe des Seminargebäudes hinunter und drehte mich über den anschließenden Kiesweg.
Ich war endlich angekommen, das spürte ich. Zwischen den Welten, das war mein Platz! Ich hätte schreien können vor Vergnügen, nicht dazuzugehören, frei zu sein, frei von den Zwängen einer Mitgliedschaft. Ich lachte laut, dann kicherte ich erschrocken – mit der Hand vor dem Mund. Wie obszön, meine Liebe! Mitglied, aber keine Mitgliedschaft. Ich lachte, bis mir die Tränen in die Augen traten. Verdammt, wie wahr. Was ich mir als Beschwernis meines Lebens eingeredet hatte – bis zur Depression, machte mich in Wirklichkeit frei. Ich war vogelfrei, weil keine Kategorie mich gefangen nehmen konnte. Ich war das eine und das andere, und weil ich das war, war ich weder das eine noch das andere. Ich war der Hermaphrodit, Hermes und Aphrodite, Jesus und Maria – und doch beides auch wieder nicht. Ich war auch nicht die Schwarze Madonna, ich war eine schwarze Madonna.
Ich hörte auf zu tanzen und stand plötzlich wie erstarrt. Ich lauschte meinen Gedanken hinterher. Und in dieser Sekunde ahnte ich es. Diese schwarze Madonna hatte eine große Aufgabe zu erfüllen. Welche das war, würde sich noch zeigen müssen.
Ich fühlte mich vollkommen relaxt, wie Knete, hingegeben dem Leben. Und so konnte es mich endlich nehmen, wie ein Liebhaber, der seine Geliebte auch nur nehmen konnte, wenn sie sich ihm hingab. Und an diesem sonnigen Tag im Spätsommer des Jahres 2004 nahm mich das Schicksal und formte mich zu seinem Werkzeug.
Und ich war bereit und freute mich auf das, was kommen würde.

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