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Samstag, 16. März 2013

Mein Munin-Mantra - eine Fantasiereise durchs Leben


Foto: by-sassi  / pixelio.de
Warum Mantras?
Die Frage habe ich schon oft gehört. Aber immer nur von denen, die Mantras entweder nie benutzt oder zu früh ihr Urteil über sie gefällt und deshalb viel zu schnell aufgegeben haben.
Warum es selbst in der heutigen Zeit, in der wir in einem Maße selbstbestimmt sein können und dürfen - wie früher nur Kaiser und Könige, eine so große Skepsis Mantras gegenüber gibt, wundert mich doch sehr. Passen diese Mantras, diese Selbstaffirmationen, doch so ausgezeichnet zu unserer Selbstbestimmtheit.
Foto: Andreas Hermsdorf  / pixelio.de
Am eigenen Schopfe sich aus dem Sumpf ziehen. Die Münchhausen-Literatur hat uns wohl ein für alle Mal auf die falsche Fährte geführt. Denn dieses milde, nachsichtige Lächeln für diesen vermeintlichen Schelmenstreich, ist ein Kardinalfehler unserer Erkenntnis, so wahr die "Physik des Lebens" weit mehr ist als Physik. Diese Physik mag ja für sich recht haben, wenn sie sagt, dass selbst der Stärkste sich nicht am eigenen Schopf aus iegal was immer herausziehen kann.
Wer denn sonst, wenn nicht er?, frage ich mich. Wenn keine Hilfe da ist.
Genau dieses Wissen darum, dass wir uns oft, sehr oft, nur selbst helfen können, setzt in uns die Kräfte doch erst frei, die in solchen Fällen gebraucht werden. Erst ganz am Ende, wenn diese Kräfte dann doch nicht ausgereicht haben, bleibt immer noch Zeit genug an dieser Welt zu verzweifeln. Aber keine Sekunde vorher
Foto: Ich  / pixelio.de
Genau dafür sind Mantras da. Sie sollen uns in ruhigen Minuten unserer inneren Kraft versichern, die dann in Gefahrensituationen um so besser abgerufen werden kann
Weil diese Kräfte immer nur in uns selbst sind, vertraue ich in diesem Zusammenhang ganz besonders auf die suggestive Kraft meiner eigenen Stimme - weniger auf die eines Therapeuten. Deshalb habe ich für meine Mantras nicht nur eigene Texte kreiert, sondern sie auch mit meiner eigenen Stimme aufgenommen und diese Aufnahme schließlich mit meiner Lieblingsmusik untermalt.
Diese Aufnahme ist seitdem mein täglicher Begleiter. Mit diesem »meinem Mantra« weckt mich mein Computer jeden Morgen.
Gerne würde ich Euch diese Aufnahme zur Verfügung stellen, aber zum einen geht das aus rechtlichen Gründen nicht, denn meine Lieblingsmusik ist eine mit einem Copyright geschützte Aufnahme. Zum andern ist es ja, wie oben erwähnt, viel besser, die eigene Stimme zu verwenden.
Den Text meines Mantras aber kann ich hier liefern. Es soll Euch aber nur die Anregung dafür liefern, Euer eigenes Mantra zu schreiben.
Wie sehr ich an meine innere Kraft glaube, wie sehr ich davon überzeugt bin, dass Gott in uns ist, dass jeder von uns dieser Gott ist, beweist dieses Mantra. Nur mit uns ist das Göttliche in die Welt getreten - aber auch das Teuflische. Es liegt deshalb an jedem einzelnen von uns, diese Welt, die wir sind, immer wieder am eigenen Schopf aus dem Chaos zu ziehen.

Mein Mantra:

Hinunter! Zum Wasser. Zur Laguna. Zur Pforte - in mich. Mein grüner Pfad,: ein Teppich, gewoben aus reiner Farbe zu edlen und zarten Formen. Oder doch nur Blüten und bunte Vögel? Aber Stimmen und Töne, wie ein Dom über allem - zum Einsingen, zum Kleinsingen schön. Melodien des Lebens: Sie tragen.
Foto: Frank Leber / pixelio.de
Endlich, die Lagune, ein Ort zum Träumen. Und draußen das Meer. So nah. Glaube ich, was ich sehe? Diamanten tanzen auf den Wellen. Der Wasserfall neben mir schüttet sie aus, als täte er dies schon immer, ganz beiläufig eben.

Wann wirst du fragen, ob es genug war?
Seine Gicht kühlt die Haut, lässt sie leuchten.
Seht her! Ich bin ein Gott aus purem Gold. Ich bin das Licht.
Es füllt die Lagune. Wie eine flache Opferschale hängt sie in der Felswand zum Meer.
Bin ich die Flamme auf ihr?
Will ich hinunter, will ich hinein? Oder schwebe ich lieber darüber?
Ich bin bereit, aber schwebe oder falle ich?
Möglich, dass es sich anfühlt wie frei sein, vielleicht aber steht, wenn ich nur weiter meine Arme ausbreite, die Zeit. Ich bin der Schöpfer der Welt. Ich schwebe, oder ist es Fliegen? Fliege ich, weil ich es kann oder falle ich, weil ich muss? Muss ich loslassen, muss ich hinunter, muss ich? Ich muss - hinein. -
Foto: oakant  / pixelio.de
Kalt ist das Wasser, kälter als die Nebel des Wasserfalls, mein Kopf ist kristallklar.
Gehöre ich hierher?
Ich hole Atem - wie von selbst. Also gehöre ich hierher. Und los jetzt! - wie ein Torpedo. Das Spiel beginnt. Tanzen, dahingleiten, schweben, schwerelos schweben - und ab die Post.
Da, meine Füße. Hinterher! Füße wie Flossen. Und das ist gut so. Bin ich ein Seehund, ein Schnabeltier, eine Meerjungfrau? Vielleicht wechsle ich ja meine Form wie ein Krake seine Farben?
Die Welt, ein Spiel, ein ewiger Reigen von Formen und Farben, Bewegung. Das Leben ein Dahinjagen - Lebensfreude pur.
Foto: s.ledwig /pixelio.de
Doch jetzt hoch hinauf in die Himmel. Hinaus aus dem Wasser.
Blumen erwachsen aus meinem Fell, winzige Pflänzchen darin werden zu Büschen. Ich schraube mich auf zu einem tanzenden Wald. Bis in die Himmel greifen meine Zweige und Äste. Blütenstaub verwirble ich und fülle den nachtschwarzen Himmel mit Milchstraßen. Ich ergreife diese azurblaue Kugel vor mir und streichle sie sanft. Ich erkenne den Punkt auf ihr, der meine Lagune ist. Ein winziger Punkt an der Grenze des lebendigen Grüns und des ewigen Blaus. Ich spüre mein knorriges Baumgesicht lächeln.
Ich jage zurück. Mein Schweif aus Bäumen, Büschen und Blüten raschelt im Fahrtwind, wie ein Komet.
Ein seltsamer Komet, werden sie denken - dort unten. Ich werfe mich wie ein Mantel über die Landschaft und vereine mich mit dem Dschungel wie mit einer Geliebten.
Und endlich tauche ich wieder in meine Lagune und jage lachend durch die Algen. Halali. Die Jagd bin ich. Sucht besser das Weite! Aber vielleicht will ich ja doch nur spielen, wer weiß?
Zu schwarzen Flügel werden jetzt meine Flossen, mit schnellen Fügelschlägen sause ich durchs Wasser. Jetzt aber hinaus - in die klare Luft. Als Kormoran.
Ich bin ein wilder Segler der Lüfte, der Seehund der Lüfte. Die Jagd geht weiter. Haltet eure Federn am Leib, ihr gefiederten Freunde, ich bin auf der Jagd.
Meine Schwingen werden weiter, sie tragen mich. Ich lege mich auf den Wind wie auf ein Bett, ich fühle majestätische Kraft. Hoch hinaus. Erhabenheit. Ich, der Adler, Herrscher der Lüfte, Wächter über die Welt. Mit unbestechlichen Augen hüte ich Erde und All. Ich bin der Aar, ich bin der Wind über allem, der Sturm. - Ich bin ein großer Gesang.
Ich schwebe - Stille - nur mein Rufen. Mein Wächterruf zur vollen Stunde - hinunter von meinem ewigen Turm.
Foto: M. Uderhardt  / pixelio.de
Ich steige höher und werde zum Manta. Meine Tiefen schwingen. Ich wabe mit schwerem Flügelschlag durch das Universum. An meinem Stachel entstehen neue Welten. Unendliche Weiten. Meine Wächteraugen umspannen alle Galaxien, alle Kulturen, alles Lebende. Alles, was da ist, zieht durch mein weit geöffnetes Maul. In meinem Innern mustern die Millionen meiner inneren Augen, was durch mich hindurchzieht und erstatten Bericht. Schlaft ruhig! Ich wache und mache mir ein Bild von allem! -
Die Zeit der Rückkehr naht.
Dort ist das Schwarzes Loch, mein Fahrstuhl. Wie Phoenix werde ich zurückkehren - bald.
Doch die Zeitreise zurück ist nicht ohne Gefahr. Es gilt, die Welt erneut zu erschaffen. Nach dem uralten Plan, dem einzig denkbaren, dem einzig gültigen Plan.
Hier und Jetzt. An dieser Stelle, dem Ort des reinen Nichts.
Ich bin dieses Nichts, und ich muss brennen, und ich werde brennen und explodieren in diesem Nichts in die Welt, in das Neue, das Nie-Gewesene und doch Immer-wieder-Geborene. Es ist das Chaos, das ich anrichte aus dem Nichts.
Konzentration.
Gedanken werden Energie, das ist das Geheimnis. In alle Richtungen jagt sie davon und wird zu Materie, wird zu Sternen, wird zu Fels - nach seinen Gesetzen, nach meinen Gesetzen, den einzig denkbaren Gesetzen.
Ich erkenne mich in diesen Urgewalten und mache mir ein Bild von mir. Ich bin der - von Anfang an - der ich sein werde am Ende der Reise. Das ist die Aufgabe, der Sinn, und er gefällig mir:
Du wirst das Bild, das du von dir machst, zum Leben erwecken, in Fleisch und Blut transferieren.
So hebe ich endlich meinen Arm und deute hinein in das Chaos, und alles geschieht, geschieht nach seinem Willen, geschieht nach meinem Willen.
Foto: Peter Heinrich  / pixelio.de
Ich werde Fels, ich werde Wasser, ich sammle mich zu Meeren. Und wieder deute ich um mich herum und bin in Aberbillionen von Wesen, deren Natur noch das Wasser ist. Ich werde zu Pflanzen, in meinen Armen schlafen Wälder ein, ich bin das Rauschen über ihnen. Ich trage schließlich die Natur der Fische in mir. Ich gehe an Land und richte mich auf zu gewaltigen Geschöpfen - und gehe mit ihnen wieder unter, um mit anderen wieder aufzuerstehen. Und behalte und bewahre. Immer das Beste einer jeden Art - bin angetreten nie zu vergessen. Niemals mehr zu vergessen. Bin angetreten, allwissend zu werden. Allmächtig.
Regenerieren, immer wieder zusammenfügen, um neu zu beginnen, das ist die Zauberformel, und sie ist in mir. In verborgenen Tiefen, die sich mir jetzt - genau in diesem Augenblick - wieder eröffnen. Jetzt! -
Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de
Das ist die Wahrheit in allem. Dass alles zusammengehört, dass alles eins ist. Die eine Wahrheit.-
Und da ist noch eine zweite Wahrheit. Ein zweites ehernes Gesetz. Aus allem Anfang.
Und ich gehorche, gehorche auch jenem Gesetz, das aus mir kommt, und dem ich mich fügen muss wie alle Götter sich dem fügen müssen, was sie erschaffen haben.
Und so schlage ich mit Demut und mit Freuden ein Rad - und werde Pfau.
Mein Rascheln lockt alles Fremde in meinen Bann. Wie Feen schwebt es durch meinen Fächerschweif.
Sie entkleiden mich, ziehen mich aus meinem Federkleid - wie Kammerjungfern. Und ich erkenne, dass ich nackt bin, ein entblößter Gott.
Die Feen sind jetzt in mir. Das Spiel hat begonnen. Das Spiel des Eros. Der Reigen der Liebe. Meine Kammerjungfern halten mir einen Spiegel vor. Und ich erkenne mich.
Die Feen fassen sich bei den Händen und beginnen in immer wilderen Kreisen zu tanzen, in verwirrenden Meandern und Wirbeln - immer schneller drehen sie sich: Es ist die Pirouette IHRER Geburt, die Geburt meiner Prinzessin, meiner Göttin, meines Spiegelwesens. Sie umfließt mich wie flüssiges Gold, sie schmeichelt, sie liebkost. Wir fließen ineinander, sie wird ich, ich bin sie - jetzt sind wir das janusköpfige Wesen, der Hermaphrodit: Jesus und Maria. Wir verwirbeln zur Schwarzen Göttin.
Und sind eins, die tief verborgene Erinnerung an die Urform des Seins, der Nachgeschmack des reinen Nichts, der höchsten Symmetrie. Die reinste Form der Umarmung.
In u n s e r e r Umarmung entsteht u n s e r e Welt. In einem Kuss.
Foto: Martin Büdenbender  / pixelio.de
Und in einem Meer von Farben, Geräuschen und Gerüchen bin ich in dieser Welt ewiger Gestaltwandler, sind wir Gestaltwandler, sind noch einmal und immer wieder, jetzt aber gemeinsam, die Reihe der Wesen, aus der wir hervorgegangen sind, und alles liegt ganz klar vor uns: alle Fähigkeiten und Kräfte, die uns bis hierher gebracht haben: Und wir fliegen und schwimmen - und jagen mit fliehenden Herden über die Erde. Wir sind im Gleichklang mit dem ewigen Strom: Wir wachsen, gegen das Vergehen steht unser unbeugsamer Wille zum Werden. Der Jungbrunnen ist in uns. Animalische Kräfte, unbegrenzte Möglichkeiten. Denn wir, das Spiegelwesen, sind dies alles: das Erschaffene und sein ewiges Fortschreiten aus sich.
Mit unseren Kinderaugen, neugierig, unstillbar neugierig, sehen wir auf das, was kommt. Den Baum der Erkenntnis haben w i r uns gepflanzt. Gegen das Vergessen. Und für unsere Rückkehr.
Foto: LouPe  / pixelio.de

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