Die
Frage habe ich schon oft gehört. Aber immer nur von denen, die
Mantras entweder nie benutzt oder zu früh ihr Urteil über sie
gefällt und deshalb viel zu schnell aufgegeben haben.
Warum es
selbst in der heutigen Zeit, in der wir in einem Maße selbstbestimmt
sein können und dürfen - wie früher nur Kaiser und Könige, eine
so große Skepsis Mantras gegenüber gibt, wundert mich doch sehr.
Passen diese Mantras, diese Selbstaffirmationen, doch so
ausgezeichnet zu unserer Selbstbestimmtheit.
| Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de |
Wer denn
sonst, wenn nicht er?, frage ich mich. Wenn keine Hilfe da ist.
Genau
dieses Wissen darum, dass wir uns oft, sehr oft, nur selbst helfen
können, setzt in uns die Kräfte doch erst frei, die in solchen
Fällen gebraucht werden. Erst ganz am Ende, wenn diese Kräfte dann
doch nicht ausgereicht haben, bleibt immer noch Zeit genug an dieser
Welt zu verzweifeln. Aber keine Sekunde vorher
| Foto: Ich / pixelio.de |
Weil
diese Kräfte immer nur in uns selbst sind, vertraue ich in diesem
Zusammenhang ganz besonders auf die suggestive Kraft meiner eigenen
Stimme - weniger auf die eines Therapeuten. Deshalb habe ich für
meine Mantras nicht nur eigene Texte kreiert, sondern sie auch mit
meiner eigenen Stimme aufgenommen und diese Aufnahme schließlich mit
meiner Lieblingsmusik untermalt.
Diese
Aufnahme ist seitdem mein täglicher Begleiter. Mit diesem »meinem
Mantra« weckt mich mein Computer jeden Morgen.
Gerne
würde ich Euch diese Aufnahme zur Verfügung stellen, aber zum einen
geht das aus rechtlichen Gründen nicht, denn meine Lieblingsmusik
ist eine mit einem Copyright geschützte Aufnahme. Zum andern ist es
ja, wie oben erwähnt, viel besser, die eigene Stimme zu verwenden.
Den Text
meines Mantras aber kann ich hier liefern. Es soll Euch aber nur die
Anregung dafür liefern, Euer eigenes Mantra zu schreiben.
Wie sehr
ich an meine innere Kraft glaube, wie sehr ich davon überzeugt bin,
dass Gott in uns ist, dass jeder von uns dieser Gott ist, beweist
dieses Mantra. Nur mit uns ist das Göttliche in die Welt getreten -
aber auch das Teuflische. Es liegt deshalb an jedem einzelnen von
uns, diese Welt, die wir sind, immer wieder am eigenen Schopf aus dem
Chaos zu ziehen.
Mein
Mantra:
Hinunter!
Zum Wasser. Zur Laguna. Zur Pforte - in mich. Mein grüner Pfad,: ein
Teppich, gewoben aus reiner Farbe zu edlen und zarten Formen. Oder
doch nur Blüten und bunte Vögel? Aber Stimmen und Töne, wie ein
Dom über allem - zum Einsingen, zum Kleinsingen schön. Melodien des
Lebens: Sie tragen.
| Foto: Frank Leber / pixelio.de |
Wann
wirst du fragen, ob es genug war?
Seine
Gicht kühlt die Haut, lässt sie leuchten.
Seht
her! Ich bin ein Gott aus purem Gold. Ich bin das Licht.
Es füllt
die Lagune. Wie eine flache Opferschale hängt sie in der Felswand
zum Meer.
Bin ich
die Flamme auf ihr?
Will ich
hinunter, will ich hinein? Oder schwebe ich lieber darüber?
Ich bin
bereit, aber schwebe oder falle ich?
Möglich,
dass es sich anfühlt wie frei sein, vielleicht aber steht, wenn ich
nur weiter meine Arme ausbreite, die Zeit. Ich bin der Schöpfer der
Welt. Ich schwebe, oder ist es Fliegen? Fliege ich, weil ich es kann
oder falle ich, weil ich muss? Muss ich loslassen, muss ich hinunter,
muss ich? Ich muss - hinein. -
| Foto: oakant / pixelio.de |
Gehöre
ich hierher?
Ich hole
Atem - wie von selbst. Also gehöre ich hierher. Und los jetzt! - wie
ein Torpedo. Das Spiel beginnt. Tanzen, dahingleiten, schweben,
schwerelos schweben - und ab die Post.
Da,
meine Füße. Hinterher! Füße wie Flossen. Und das ist gut so. Bin
ich ein Seehund, ein Schnabeltier, eine Meerjungfrau? Vielleicht
wechsle ich ja meine Form wie ein Krake seine Farben?
Die
Welt, ein Spiel, ein ewiger Reigen von Formen und Farben, Bewegung.
Das Leben ein Dahinjagen - Lebensfreude pur.
Blumen
erwachsen aus meinem Fell, winzige Pflänzchen darin werden zu
Büschen. Ich schraube mich auf zu einem tanzenden Wald. Bis in die
Himmel greifen meine Zweige und Äste. Blütenstaub verwirble ich und
fülle den nachtschwarzen Himmel mit Milchstraßen. Ich ergreife
diese azurblaue Kugel vor mir und streichle sie sanft. Ich erkenne
den Punkt auf ihr, der meine Lagune ist. Ein winziger Punkt an der
Grenze des lebendigen Grüns und des ewigen Blaus. Ich spüre mein
knorriges Baumgesicht lächeln.
Ich jage
zurück. Mein Schweif aus Bäumen, Büschen und Blüten raschelt im
Fahrtwind, wie ein Komet.
Ein
seltsamer Komet, werden sie denken - dort unten. Ich werfe mich wie
ein Mantel über die Landschaft und vereine mich mit dem Dschungel
wie mit einer Geliebten.
Und
endlich tauche ich wieder in meine Lagune und jage lachend durch die
Algen. Halali. Die Jagd bin ich. Sucht besser das Weite! Aber
vielleicht will ich ja doch nur spielen, wer weiß?
Zu
schwarzen Flügel werden jetzt meine Flossen, mit schnellen
Fügelschlägen sause ich durchs Wasser. Jetzt aber hinaus - in die
klare Luft. Als Kormoran.
Ich bin
ein wilder Segler der Lüfte, der Seehund der Lüfte. Die Jagd geht
weiter. Haltet eure Federn am Leib, ihr gefiederten Freunde, ich bin
auf der Jagd.
Meine
Schwingen werden weiter, sie tragen mich. Ich lege mich auf den Wind
wie auf ein Bett, ich fühle majestätische Kraft. Hoch hinaus.
Erhabenheit. Ich, der Adler, Herrscher der Lüfte, Wächter über die
Welt. Mit unbestechlichen Augen hüte ich Erde und All. Ich bin der
Aar, ich bin der Wind über allem, der Sturm. - Ich bin ein großer
Gesang.
Ich
schwebe - Stille - nur mein Rufen. Mein Wächterruf zur vollen Stunde
- hinunter von meinem ewigen Turm.
| Foto: M. Uderhardt / pixelio.de |
Die Zeit
der Rückkehr naht.
Dort ist
das Schwarzes Loch, mein Fahrstuhl. Wie Phoenix werde ich
zurückkehren - bald.
Doch die
Zeitreise zurück ist nicht ohne Gefahr. Es gilt, die Welt erneut zu
erschaffen. Nach dem uralten Plan, dem einzig denkbaren, dem einzig
gültigen Plan.
Hier und
Jetzt. An dieser Stelle, dem Ort des reinen Nichts.
Ich bin
dieses Nichts, und ich muss brennen, und ich werde brennen und
explodieren in diesem Nichts in die Welt, in das Neue, das
Nie-Gewesene und doch Immer-wieder-Geborene. Es ist das Chaos, das
ich anrichte aus dem Nichts.
Konzentration.
Gedanken
werden Energie, das ist das Geheimnis. In alle Richtungen jagt sie
davon und wird zu Materie, wird zu Sternen, wird zu Fels - nach
seinen Gesetzen, nach meinen Gesetzen, den einzig denkbaren Gesetzen.
Ich
erkenne mich in diesen Urgewalten und mache mir ein Bild von mir. Ich
bin der - von Anfang an - der ich sein werde am Ende der Reise. Das
ist die Aufgabe, der Sinn, und er gefällig mir:
Du wirst
das Bild, das du von dir machst, zum Leben erwecken, in Fleisch und
Blut transferieren.
So hebe
ich endlich meinen Arm und deute hinein in das Chaos, und alles
geschieht, geschieht nach seinem Willen, geschieht nach meinem
Willen.
| Foto: Peter Heinrich / pixelio.de |
Regenerieren,
immer wieder zusammenfügen, um neu zu beginnen, das ist die
Zauberformel, und sie ist in mir. In verborgenen Tiefen, die sich mir
jetzt - genau in diesem Augenblick - wieder eröffnen. Jetzt! -
| Foto: Rainer Sturm / pixelio.de |
Und da
ist noch eine zweite Wahrheit. Ein zweites ehernes Gesetz. Aus allem
Anfang.
Und ich
gehorche, gehorche auch jenem Gesetz, das aus mir kommt, und dem ich
mich fügen muss wie alle Götter sich dem fügen müssen, was sie
erschaffen haben.
Und so
schlage ich mit Demut und mit Freuden ein Rad - und werde Pfau.
Mein
Rascheln lockt alles Fremde in meinen Bann. Wie Feen schwebt es durch
meinen Fächerschweif.
Sie
entkleiden mich, ziehen mich aus meinem Federkleid - wie
Kammerjungfern. Und ich erkenne, dass ich nackt bin, ein entblößter
Gott.
Die Feen
sind jetzt in mir. Das Spiel hat begonnen. Das Spiel des Eros. Der
Reigen der Liebe. Meine Kammerjungfern halten mir einen Spiegel vor.
Und ich erkenne mich.
Die Feen
fassen sich bei den Händen und beginnen in immer wilderen Kreisen zu
tanzen, in verwirrenden Meandern und Wirbeln - immer schneller drehen
sie sich: Es ist die Pirouette IHRER Geburt, die Geburt meiner
Prinzessin, meiner Göttin, meines Spiegelwesens. Sie umfließt mich
wie flüssiges Gold, sie schmeichelt, sie liebkost. Wir fließen
ineinander, sie wird ich, ich bin sie - jetzt sind wir das
janusköpfige Wesen, der Hermaphrodit: Jesus und Maria. Wir
verwirbeln zur Schwarzen Göttin.
Und sind
eins, die tief verborgene Erinnerung an die Urform des Seins, der
Nachgeschmack des reinen Nichts, der höchsten Symmetrie. Die reinste
Form der Umarmung.
In u n s
e r e r Umarmung entsteht u n s e r e Welt. In einem Kuss.
| Foto: Martin Büdenbender / pixelio.de |
Mit
unseren Kinderaugen, neugierig, unstillbar neugierig, sehen wir auf
das, was kommt. Den Baum der Erkenntnis haben w i r uns gepflanzt.
Gegen das Vergessen. Und für unsere Rückkehr.
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