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Mittwoch, 11. Dezember 2013

Leseprobe aus "Munin - die Eulenträgerin. Tod im Baumtunnel

Hier ein kleiner Ausschnitt aus meinem Roman: "Munin - die Eulenträgerin"


Foto: kobold789 / pixelio.de

... Mark schüttelte ungläubig den Kopf: Verdammt, dieser Weg führt ins Nichts – führt in den Abgrund. Am Ende des Plateaus ging es hundert Meter senkrecht in die Tiefe. Verdammt, Daniela, was hast du vor?, dachte er verzweifelt. Dann musste er sich auf die Straße konzentrieren. Denn ab jetzt wurde es lebensgefährlich.

Die Familie des Vorbesitzers hatte nämlich vor fünf Generationen beschlossen, hier kurz vor dem Hochtal links und rechts der Straße Ahorn-Bäume zu pflanzen. Eine Allee war seitdem dort entstanden, ganze fünfhundert Meter lang. Die Bäume waren zu einem komplett geschlossenen Tunnel aus Ästen, Zweigen und Blättern verwachsen, der einen Innendurchmesser von weniger als zwanzig Metern hatte. Und dies auch nur, weil jedes Jahr Sanchez einen Trupp Vaqueros abkommandierte mit dem Auftrag, die Bäume so weit zurückzustutzen, dass die Allee nicht völlig zuwucherte.

Eben verschwand das Fahrzeug der Verfolger in der Tunnelröhre. Mark zog sein Flugzeug, ohne groß über die möglichen Folgen nachzudenken, wieder steil nach unten. In der nächsten Sekunde schon war er zwischen den ersten Bäumen. Schlagartig hatte er Sicht nach vorne, denn die lebende Röhre hielt den sintflutartigen Regen fast komplett draußen, auch der Sturm musste sich verabschieden, und Mark glaubte schon, das Glück auf seiner Seite zu haben. Ohne den Motor zu drosseln, flog er unbeirrt weiter. In wenigen Augenblicken würde er das Fahrzeug vor sich erreichen und es überfliegen. Dann würde er landen und den Angreifern den Weg verstellen. So war sein Plan. Doch in seinem Plan fehlte die Bodenwelle, in der der grüne Tunnel im Norden kurz vor den Bergen endete.

Und die wurde ihm zum Verhängnis.

Gerade hatte er das Fahrzeug vor ihm überflogen, die Räder schon zur Landung aufgesetzt, als diese Welle die Cessna erfasste und wieder nach oben katapultierte. Dem Geräusch knackender Äste folgten die kreischenden Geräusche, die entstehen, wenn Metallplatten gegeneinander geschert werden. Und Mark wusste: Das war das Ende seiner Reise. Er sah noch den Wagen der Verfolger, wie er unter ihm wieder vorbeiraste, dann kam der Asphalt der Straße auf ihn zu.

Und dann die Ohnmacht.

Dass sein Flugzeug wie ein Spielball zwischen den Bäumen hin und her geworfen wurde, erlebte er genauso wenig wie den Feuerball, in dem die Trümmer zuletzt explodierten, nachdem sie der Tunnel wieder ausgespuckt hatte. Sah auch nicht mehr, dass dieser Feuerball sofort auch Danielas Fahrzeug in Brand setzte und etwas später, als der Rest des Kerosins, der nicht sofort verpufft war, sich am Boden langsam zu ihm hinüberschlängelte, auch das  Auto ihrer Verfolger. Doch da waren die Angreifer schon unbeschadet herausgeklettert und Daniela hinterhergerannt.

Außerhalb der Allee beherrschten nach wie vor noch der Sturm und der Regen die Szene und löschten die einzelnen Feuerherde wieder, noch bevor sie den gesamten Tunnel in Brand setzen konnten. Die beiden Fahrzeuge aber würden sich aus eigener Kraft von dort nicht mehr fortbewegen.

Und dann, wie berauscht von seiner eigenen zerstörerischen Kraft, zog der Sturm weitere Register und orgelte jetzt infernalisch durch die enge Passstelle zum Hochtal hinaufDann kam das Eis, und der Orkan zerschlug es in nadelfeine Splitter, die die Luft schnell in ein tosendes Weiß verwandelten. Nur die Landschaft blieb unverändert. Denn dieser Orkan blies bis in die letzten Ritzen und fräste wie ein Sandstrahlgebläse den Eisschnee dort wieder heraus, bevor er liegenbleiben konnte. ...


Mittwoch, 20. November 2013

Bankenrettung kann so einfach sein

Foto: poschle / pixelio.de

Ein gelungenes Beispiel von Bankenrettung  
ist hier zu sehen. Die Ausgaben für ein feuchtes Tuch gegen den gröbsten Schmutz und für einen Laubrechen sind die einzigen nennenswerten Belastungen des Steuerzahlers gewesen. 
Und deshalb wird der Kunde die Dienstleistungen dieser Bank gerne annehmen. Zumal sie die deutliche Vermehrung dessen garantiert - Sitzfleisch und Geduld vorausgesetzt -, was dem Kunden das Liebste ist: sein mühsam erworbenes Kampfgewicht. 

Freitag, 1. November 2013

Das Dritte Geschlecht: Ab heute ist es amtlich

Seit heute gibt es mich, den Hermaphrodit, auch hochoffiziell und amtlich, oder vorsichtiger ausgedrückt: Wenn ich heute erst auf die Welt gekommen wäre, hätten meine Eltern die Möglichkeit gehabt, das Feld für die Geschlechtszugehörigkeit in meinen amtlichen Papieren freizulassen. 
Immerhin. 
Ihr versteht nur Bahnhof? Dann wäre meine Message angekommen, denn das, was heute, am 1. November, in Kraft getreten ist, ist wieder einmal ein Gesetz der Marke "Durchgangsbahnhof": keine Richtungsänderung, höchstens ein kurzes hastiges Anhalten, um in derselben Richtung die Fahrt unbeirrt wieder fortzusetzen. 
Anstelle des Eintrages "intersexuell" oder "Drittes Geschlecht" bleibt das entsprechende Feld also einfach frei. Die Überlegung, die offensichtlich dahintersteht: Der "betroffene" Mensch könne ja später seine Zugehörigkeit zu einem der beiden "amtlichen" Geschlechter frei wählen. 
Immerhin. 
Denn immer noch entscheidet - bis heute - viel zu oft der Arzt über das Schicksal der "Betroffenen" und hat dabei die Eltern schnell überzeugt von der herrschenden Lehrmeinung: Ein so überflüssiger wie überzähliger Penis ist da schneller abgeschnitten als andere Maßnahmen zu ergreifen, die das männliche Geschlecht auf Kosten des weiblichen bevorzugen würden.
Jetzt darf das also von Amts wegen der Betroffene selbst entscheiden. Wenn die beiden Hürden "Arzt" und "Eltern" sich freiwillig aus seinem Lebensweg geräumt hätten. Denn die dürften weiterhin - zumindest ist mir Gegenteiliges nicht bekannt, "der Natur auf die Sprünge helfen".
Dass sich aber der der Lehrmeinung entkommene "Betroffene" scheinbar dann doch irgendwann zwischen den beiden Geschlechtern entscheiden muss, ist für mich der klare Beleg dafür, dass da ein Gesetz mit möglichst wenig Durchschlagskraft und ohne groß Wellen zu schlagen einfach "durchgewunken" wurde. 
Trotzdem werde ich mir ein Glas Sekt darauf genehmigen. 
Und der Übergang von den Schreckgespenstern des Halloween hin zu den Heiligen und Gerechten aller Zeiten soll mir dabei ein positives Zeichen sein. 

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Munin, der letzte Kugelmensch

Wer meine Familiensaga, Munin die Eulenträgerin, gelesen hat, der kann wohl nachempfinden, warum ich mir manchmal wie der letzte Kugelmensch auf Erden vorkomme. Eine alberne Vorstellung bei 57 Kilo auf 1,83 Körperlänge?
Möglich.
Aber diese Zwei in Einem - ich fühle sie ganz deutlich in mir. Dabei gehöre ich jener Gattung an, die Aristophanes andrógynoi nannte und die vom Mond stammen sollte. Vier Beine, vier Arme und zwei Gesichter hatten diese Wesen und waren männlich und weiblich zugleich - mit allem drum und dran. Ihr versteht schon. Und ungeheure Kraft hatten sie und hatten sich durch Wagemut ausgezeichnet, der sie aber schließlich übermütig werden ließ, was die Götter so erzürnte, dass sie sie in der Mitte auseinanderschnitten.
Dass die Götter mich dabei offensichtlich vergessen haben, werde ich wohl für immer als d e n Kardinalfehler meiner Existenz betrachten.
Obwohl ich das Ende der Geschichte dieser Kugelmenschen kenne!
Seit diese Kugelmenschen nämlich zerschnitten waren, erschöpften sie sich in der Sehnsucht aufeinander und versuchten durch ständiges Umarmen den früheren Zustand wieder zu erreichen. Fast vergeblich, wie wir bei nüchterner Betrachtung und Bewertung unserer Paarbildungsbemühungen feststellen müssen.
Doch bleibt diese Sehnsucht unauslöschlich.
Übrigens. Gerade in sexuellen Dingen kommen wir aus einer wesentlich "ressourcenreicheren" Vergangenheit. So sprach Aristophanes von drei Geschlechtern dieser Kugelmenschen: das männlich-männliche, das männlich-weibliche und das weiblich-weibliche. Dreimal dürft ihr raten, wer seiner festen Überzeugung nach das edelste dieser Geschlechter war. 
Ja, genau. Wir sind schließlich in der Antike, in der sich nach Jahrhunderttausenden des weiblichen Prinzips das androgyne Prinzip endlich verfestigt hatte: männlich-männlich! In dieser homophilen Paarbildung sah der antike Grieche das wahre Experimentierfeld für wahre und tiefe Liebe, für Eros und Erotik.
Frauen waren dafür maximal zweite Wahl.
Deshalb stammte dieses männlich-männliche Geschlecht auch von der Sonne! Das dritte schließlich von der Erde. Ich weiß nicht, ob sich das weiblich-weibliche Geschlecht darüber hätte ärgern sollen, oder ob es nicht ganz im Gegenteil darauf hätte besonders stolz sein dürfen.
Eines aber lehrt uns dieses "Gleichnis": Der Kampf, der seit unserer Teilung unter u n s e r e n Geschlechtern stattfindet ist ein so völlig unsinniger wie wahnsinniger. Ein klarer Fall dafür, dass die These so falsch, so lebensfern ist wie die Antithese. Denn alles in uns schreit: "Synthese!".
Denn vollenden können wir uns nur in unserer neuerlichen Verschmelzung.
Was aber selten nur Honiglecken ist, was ich aus leidvoller persönlicher Erfahrung sagen kann.


Dienstag, 15. Oktober 2013

Kommt die klassische Musik aus dem Regenwald?

Die Vorlage für klassische Musik kommt aus dem Regenwald, glauben die Forscher. Denn dort ist die Heimat des Flageolettzaunkönigs, und der habe in seinem Repertoire - wie kein anderer seiner 4000 Singvogelkollegen - auf dieser Welt die Oktav, die Quint und die Quart.
Bach und Haydn inspiriert von Klängen m e i n e r Heimat? Klingt nicht schlecht. Aber was zum Kuckuck ist mit dem Kuckuck, der mit seiner Terz aus deutschen Wäldern ruft. Nur weil das ne kleine Terz ist, soll der weniger musikalisch sein? Und was ist mit der Nachtigall? Zu viele Töne? Das haben Zeitgenossen schon Mozart vorgeworfen.
Da sollen sich die Eggheads der Klassik ihre Eggheads zerbrechen. Uns Jüngern der U-Musik kann es egal sein, denn unsere Musik kommt eindeutig aus Afrika, wo weit und breit kein Flageolettzaunkönig zu finden ist.
Trotzdem: Klingt wirklich putzig, dieses putzige Vögelchen.

Montag, 30. September 2013

Es geht nicht mehr Richtung Horizont sondern nur noch vom Abgrund weg

"Wir empfinden in zunehmendem Maße Entfremdung. Hinzukommt, dass wir keine Hoffnung mehr in den Fortschritt setzen. Deshalb spreche ich von rasendem Stillstand. In den fünfziger Jahren gab es auch rasante Beschleunigung, aber gleichzeitig Hoffnung. Heute glaubt die Elterngeneration zum ersten Mal seit 25 Jahren nicht mehr, dass es ihren Kindern einmal besser gehen wird. Sie hofft allenfalls, es möge nicht viel schlechter werden. Deshalb laufen wir nicht mehr auf einen Horizont zu, sondern vom Abgrund weg, und das macht uns kollektiv krank. Die Anstrengung hat keinen Sinn."

Hartmut Rosa, Professor für Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

Dienstag, 17. September 2013

Die neue Welt muss androgyn sein

  John Wayne braucht keinen Arzt. Diese Aussage wahrer Kerle und echter Kerlinne hat nicht nur den Charme blauen Grases, weiter Prärien, von Sattelleder und Lagerfeuerromantik. Sie erzählt vielmehr vom wahren Leben: Ein wahrer Kerl braucht keinen Arzt, er ist einer! Und nicht nur sein eigener. Wolfgang, mein Hausarzt, hat dieses Phänomen mal so auf den Punkt gebracht: "Ich und Grippeimpfung? Niemals! Ich sage mir, du wirst nicht krank, und dann werde ich auch nicht krank."
Insofern scheint mir der wahre Grund, warum Männer viel seltener und später zum Arzt gehen, folgender zu sein: Sie therapieren sich selbst. Weil nur, wer sich selbst hilft, auch Gott hilft. Logo.
Mädels scheinen da weniger gottesfürchtig zu sein, dafür ne ganze Ecke gurufürchtiger, wozu wiederum Männer weniger neigen, weil sie das 1. Gebot einfach bierernst nehmen: Du sollst keine fremden Götter neben dir haben, ermahnen sie sich immer wieder zur eigenen Omnipotenz und fügen hinzu: Schweige stille Mensch und bedenke, dass du Gott bist.
Und dann ist da noch die Sache mit dem Risiko - das Männer eher eingehen, nicht nur im Bereich ihrer Gesundheit. Nein, auch und vor allem zum Wohle der Menschheit. Denn wer sonst als solche Männer sollten das 50. Stockwerk eines Wolkenkratzer hochziehen - freischwebend zwischen Himmel und Erde oder Stromtrassen knüpfen bis zu den Waschmaschinen dieser Welt?
Bevor das hier zu einem Kampf der Geschlechter ausartet, biete ich lieber schnell mal meine Synthese an, die ich ja lebe, wie jeder weiß, der mich in meinen Romanen kennengelernt hat: 
Diese Welt wird erst wieder einen gewaltigen Schritt vorwärts machen, wenn sich ihre Protagonisten auf ihre weibliche u n d ihre männliche Seite erinnern und beider Seiten Ressourcen gleichermaßen ausschöpfen.
Es wäre der nächste konsequente Schritt nach dem ersten. Der erste Schritt war, die beiden Hälften auseinanderzudividieren, um mit dem männlichen Part auszuloten, was die Welt im Innersten zusammenhält - und mit dem weiblichen Part, wie durch Empathie das Zusammenleben verbessert werden kann.
Jetzt kann das wieder zusammengeführt werden, und zwar so, dass vor allem das Gute der beiden Seiten zum Tragen kommt. 
Also: Werdet ein Hermaphrodit (wie ich), werdet ein Androgyn, der in sich das Gute aus beiden Welten vereint -, aber weniger das Besondere, das Sonderbare, das für die andere Hälfte Unbegreifliche, das sie so lange "entzweit" hat.

Eure Munin
Foto: Thomas Max Müller / pixelio.de

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