Translate

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Munin, der letzte Kugelmensch

Wer meine Familiensaga, Munin die Eulenträgerin, gelesen hat, der kann wohl nachempfinden, warum ich mir manchmal wie der letzte Kugelmensch auf Erden vorkomme. Eine alberne Vorstellung bei 57 Kilo auf 1,83 Körperlänge?
Möglich.
Aber diese Zwei in Einem - ich fühle sie ganz deutlich in mir. Dabei gehöre ich jener Gattung an, die Aristophanes andrógynoi nannte und die vom Mond stammen sollte. Vier Beine, vier Arme und zwei Gesichter hatten diese Wesen und waren männlich und weiblich zugleich - mit allem drum und dran. Ihr versteht schon. Und ungeheure Kraft hatten sie und hatten sich durch Wagemut ausgezeichnet, der sie aber schließlich übermütig werden ließ, was die Götter so erzürnte, dass sie sie in der Mitte auseinanderschnitten.
Dass die Götter mich dabei offensichtlich vergessen haben, werde ich wohl für immer als d e n Kardinalfehler meiner Existenz betrachten.
Obwohl ich das Ende der Geschichte dieser Kugelmenschen kenne!
Seit diese Kugelmenschen nämlich zerschnitten waren, erschöpften sie sich in der Sehnsucht aufeinander und versuchten durch ständiges Umarmen den früheren Zustand wieder zu erreichen. Fast vergeblich, wie wir bei nüchterner Betrachtung und Bewertung unserer Paarbildungsbemühungen feststellen müssen.
Doch bleibt diese Sehnsucht unauslöschlich.
Übrigens. Gerade in sexuellen Dingen kommen wir aus einer wesentlich "ressourcenreicheren" Vergangenheit. So sprach Aristophanes von drei Geschlechtern dieser Kugelmenschen: das männlich-männliche, das männlich-weibliche und das weiblich-weibliche. Dreimal dürft ihr raten, wer seiner festen Überzeugung nach das edelste dieser Geschlechter war. 
Ja, genau. Wir sind schließlich in der Antike, in der sich nach Jahrhunderttausenden des weiblichen Prinzips das androgyne Prinzip endlich verfestigt hatte: männlich-männlich! In dieser homophilen Paarbildung sah der antike Grieche das wahre Experimentierfeld für wahre und tiefe Liebe, für Eros und Erotik.
Frauen waren dafür maximal zweite Wahl.
Deshalb stammte dieses männlich-männliche Geschlecht auch von der Sonne! Das dritte schließlich von der Erde. Ich weiß nicht, ob sich das weiblich-weibliche Geschlecht darüber hätte ärgern sollen, oder ob es nicht ganz im Gegenteil darauf hätte besonders stolz sein dürfen.
Eines aber lehrt uns dieses "Gleichnis": Der Kampf, der seit unserer Teilung unter u n s e r e n Geschlechtern stattfindet ist ein so völlig unsinniger wie wahnsinniger. Ein klarer Fall dafür, dass die These so falsch, so lebensfern ist wie die Antithese. Denn alles in uns schreit: "Synthese!".
Denn vollenden können wir uns nur in unserer neuerlichen Verschmelzung.
Was aber selten nur Honiglecken ist, was ich aus leidvoller persönlicher Erfahrung sagen kann.


Dienstag, 15. Oktober 2013

Kommt die klassische Musik aus dem Regenwald?

Die Vorlage für klassische Musik kommt aus dem Regenwald, glauben die Forscher. Denn dort ist die Heimat des Flageolettzaunkönigs, und der habe in seinem Repertoire - wie kein anderer seiner 4000 Singvogelkollegen - auf dieser Welt die Oktav, die Quint und die Quart.
Bach und Haydn inspiriert von Klängen m e i n e r Heimat? Klingt nicht schlecht. Aber was zum Kuckuck ist mit dem Kuckuck, der mit seiner Terz aus deutschen Wäldern ruft. Nur weil das ne kleine Terz ist, soll der weniger musikalisch sein? Und was ist mit der Nachtigall? Zu viele Töne? Das haben Zeitgenossen schon Mozart vorgeworfen.
Da sollen sich die Eggheads der Klassik ihre Eggheads zerbrechen. Uns Jüngern der U-Musik kann es egal sein, denn unsere Musik kommt eindeutig aus Afrika, wo weit und breit kein Flageolettzaunkönig zu finden ist.
Trotzdem: Klingt wirklich putzig, dieses putzige Vögelchen.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...